Du musst nur Deine Glaubenssätze ändern und schon klappt die Veränderung. Stimmt das wirklich? Und ist es tatsächlich so einfach? Und was sind Glaubenssätze eigentlich?

Glaubenssätze sind tief verankerte Annahmen über uns selbst und die Welt um uns herum. Sie sind unsere inneren Überzeugungen, Meinungen und Einstellungen. Es sind Verallgemeinerungen über Zusammenhänge, Ursachen, Bedeutungen und Grenzen. Wir glauben an diese Lebensregeln und halten sie für wahr. Sie prägen maßgeblich unser Selbstbild und wie wir die Welt wahrnehmen, Informationen filtern und interpretieren. Und sie haben Einfluss auf unser Denken, Fühlen und Handeln. Glaubenssätze enthalten oft auch eine imaginäre Androhung von möglichen Konsequenzen bei Nichtbefolgen.

  • Ein Indianer kennt keinen Schmerz.
  • Ohne Fleiß kein Preis.
  • Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser.

Der Ursprung von Glaubenssätzen liegt oft in der Kindheit. Unser Umfeld prägt uns. Ihre potentiell negative Wirkung entfalten sie aber oft erst im Erwachsenenalter. Glaubenssätze erwecken den Eindruck, sie wären Wahrheiten. Aus diesem Grunde stellen wir sie auch nicht in Frage.

Glaubenssätze sind vergleichbar mit gut ausgebauten mehrspurigen Autobahnen. Wir sind sie schon oft gefahren, wir nutzen sie meist mühelos und ohne Probleme. Sie geben uns Struktur und Sicherheit.

Es gibt aber positive und negative Glaubenssätze.

Positive Glaubenssätze wirken motivierend, kraftgebend, inspirierend. Sie sind vergleichbar mit einem Gaspedal auf dem Weg zu unseren Zielen.

  • Ich bin gut, so wie ich bin!
  • Ich darf meine Gefühle zeigen!
  • Ich schaffe das!

Negative Glaubenssätze wirken eher wie eine angezogene Handbremse. Sie hindern uns am Gas geben auf dem Weg zu unseren Zielen oder verhindern sogar das Erreichen total. Sie lassen uns in alten Mustern verharren. Und sie können sich schädlich auf unsere Gesundheit auswirken.

  • Ich bin zu klein, zu alt, zu dick, zu dumm….
  • Wenn ich einen Fehler mache oder scheitere, werde ich abgelehnt.
  • Ich bin ein Versager.

Wenn wir glauben, etwas nicht schaffen zu können, finden wir unbewusst immer einen Weg, den Eintritt einer Veränderung zu verhindern. Wir finden immer einen Weg, das Ergebnis so zu interpretieren, dass es mit unserem Glaubenssatz übereinstimmt. Im Prinzip handelt es sich damit bei Glaubenssätzen um sich selbst bestätigende Prophezeiungen.

Wenn wir einen festen Glauben in uns verankert haben, bringen uns gegenteilige Informationen einfach nicht aus der Ruhe, im Gegenteil – wir halten sie für falsch.

Wir kurven also oft gemütlich mit angezogener Handbremse auf unseren ausgebauten mehrspurigen Autobahnen durchs Land. So kommen wir vermutlich meist an, manchmal aber auch nicht. Wir verpassen  somit einige Gelegenheiten, mal so richtig aufs Gaspedal zu treten und Veränderungen im Leben herbeizuführen.

Was uns gestern schützte, kann uns heute einschränken. Deshalb ist es wichtig und richtig, über die Notwendigkeit und Wirkungsweise der Handbremse nachzudenken, sich die eigenen Glaubenssätze bewusst zu machen und auf ihre Richtigkeit zu überprüfen.  

Einfach so, ohne Anlass, macht das vermutlich niemand, es sei denn, man absolviert gerade eine Coachingausbildung.

Um einen negativen Glaubenssatz zu überprüfen, braucht es einen gewissen Leidensdruck, eine Veränderungs- und Reflektionsbereitschaft. Die Erkenntnis, das Deine Weiterentwicklung, wohin auch immer, irgendwie durch Dich selbst be- oder verhindert wird.

1.) Glaubenssätze erkennen

Glaubenssätze sind fest in uns verankert und meist bemerken wir sie im Alltag gar nicht. Deshalb ist es so schwierig, sie sich bewusst zu machen.

  • Sie sind oft an Signalwörtern erkennbar:  immer, muss, sollte, darf nicht, niemals, alle, jeder.
  • Handlungsmaximen, Leitfragen aber auch einfach banale Ansichten enthalten oft Glaubenssätze.
  • Zudem beziehen sie sich auf ein negatives Beziehungsgeflecht, ein negatives Weltgefühl oder ein negatives Bild der Selbstwirksamkeit und des Selbstwertes.

Notiere Dir Deine Glaubenssätze zu unterschiedlichen Themen wie Finanzen, Familie, Freunde, Gesundheit, Erfolg etc. Vielleicht fallen Dir auch passende Sprichwörter ein. Hilfreich kann es auch sein, Dir nahestehende Personen zu fragen, welche Glaubenssätze sie Dir zuschreiben.

Achtsamkeit kann Dir beim Suchen und Finden Deiner Glaubenssätze ebenso behilflich sein. Frage Dich in Situationen, die Dich anstrengen, Dich stressen, aus der Fassung bringen, warum das gerade so ist und wo eigentlich das Problem liegt. Wenn Du Dich häufiger beklagst, als etwas zu ändern, steckt vermutlich ein Glaubenssatz hinter Deiner Reaktion.

2.) Faktencheck

  • Welcher Glaubenssatz steht meinem Vorankommen und meiner Zufriedenheit nur im Weg?
  • Wieso denke ich, dass dieser Satz stimmt? Was bringt es mir, diesen Satz für die Wahrheit zu halten?
  • Seit wann denke ich so? Woher kommt dieser Satz? Bei wem habe ich ihn früher gehört?
  • Habe ich Erfahrungen gemacht, die erklären können, warum ich so denke?
  • Stimmt dieser Satz für mich heute immer noch? Hat sich etwas verändert?
  • Entspricht dieser Satz den Tatsachen? Gibt es dafür einen Beweis? Gibt es vielleicht einen Gegenbeweis?
  • Was könnte eine andere Meinung dazu sein?
  • Hilft mir dieser Satz, meine Ziele zu erreichen? Hilft er mir, mich so zu fühlen, wie ich möchte?
  • Verpasse ich vielleicht einigen Chancen durch diesen Glaubenssatz?

3.) Negative Glaubenssätze transformieren

Nachdem Du nun erkannt hast, dass ein oder mehrere Deiner Glaubenssätze nicht mehr ganz oder überhaupt nicht mehr zu Dir und Deinem Leben passen, heißt es nun schlicht: ab in die Werkstatt zur Generalüberholung der offensichtlich defekten Handbremse in Deinem Leben.

Glaubenssätze sind nicht in Stein gemeißelt. Sie sind veränderbar. Es kann sogar passieren, dass Du selbst irgendwann aufgrund von gegenteiligen Erfahrungen feststellt, dass einer Deiner Glaubenssätze einfach nicht mehr richtig ist.

Schreibe den Glaubenssatz, der Dich am Vorankommen hindert, auf einen Zettel.  Dann streiche die negative Formulierung durch und ersetze sie durch eine positive.

„Ich muss alles selbst machen.“                 „Ich darf Hilfe annehmen.

Sprich‘ diesen Satz mehrfach laut aus. Schreibe ihn neu auf. Wie fühlt sich das an? Fühlst Du Dich wohl, wenn Du Deinen neuen Glaubenssatz laut vorliest, oder verspürst Du noch einen inneren Widerstand?

Suche nach Beispielen und Belegen für die Richtigkeit Deines neuen Glaubenssatzes. Es ist oftmals effektiver, Glaubenssätze nicht radikal umzuschreiben, sondern nach und nach anzupassen. Zu radikale Umstellungen können wir nur schwer verarbeiten und lehnen sie dann meist ab.

Um Deinen neuen Glaubens-/ Erlaubnissatz fest in Dir zu verankern, gehört auch etwas Training dazu.

„ICH DARF HILFE ANNEHMEN!“

  • Was könntest Du tun, um Hilfe anzunehmen?
  • Wann könntest Du Hilfe annehmen?
  • Wann könnte es Dir schwer fallen, Hilfe anzunehmen?
  • Wie fühlt sich das an, Hilfe anzunehmen?
  • Was kannst Du tun, um Dich an Deinen neuen Glaubens-/ Erlaubnissatz zu erinnern?

Wenn Du Dich Deinem neuen Glaubens-/ Erlaubnissatz entsprechend verhältst, stärkst Du ihn. Üben, üben, üben! Reflektiere, wie es Dir damit geht. Einen Versuch ist es wert.

Fazit

Wir haben zwar die Lösung unseres Problems kognitiv verstanden, doch sobald wir in die Umsetzung kommen möchten, scheint uns etwas auszubremsen. Ein starkes Indiz für eine angezogene Handbremse, also einen Glaubenssatz.

Negative, einschränkende oder begrenzende Glaubenssätze können wir auf unterschiedliche Weise bearbeiten, relativieren, entkräften oder in einen anderen Zusammenhang stellen. Wir können also den Umgang mit unseren verankerten Glaubenssätzen verbessern. Um im Bild von der angezogenen Handbremse zu bleiben: wir können lernen, die Bremswirkung unserer Handbremse willentlich, zielgerichtet und vor allem dosiert zu lockern. Um dann mit dem Fuß auf dem Gaspedal in Richtung unserer Ziele und deren Umsetzung loszubrausen.

Bei sehr festgefahrenen Glaubenssätzen kann ein professionelles Coaching helfen, die hinderlichen Glaubenssätze zu erkennen, zu hinterfragen und umzuformulieren.

Der Schlüssel zu Veränderungen ist tatsächlich oft in der Veränderung unserer Glaubenssätze zu finden.

Caroline Bitter-Suermann

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