Nein –  keine Sorge – das wird kein weiterer ratgebender Blogbeitrag über „Wie komme ich gut durch die stressige Vorweihnachtszeit ohne mich dabei selbst zu verlieren“.

Ratschläge wie „Geh‘ jeden Tag eine halbe Stunde im Wald spazieren“, „Nimm‘ Dir Zeit zum bewussten Teetrinken, Kekse backen und essen, Film gucken oder Buch lesen“, „Genieß‘ ein leckeres Abendessen bei Kerzenschein“ und dergleichen mehr fliegen in dieser Zeit ungefragt auf viele von uns zu. Wenn man sich – wie ich – intensiv mit diesem Thema auseinandersetzt, ist das Postfach regelmäßig reichlich damit angefüllt und liebe Freundinnen verschenken auch gerne Achtsamkeitskalender mit nützlichen Anregungen für den Alltag. Und? Werden diese gutgemeinten Ratschläge beachtet? Führen sie bei regelmäßiger Umsetzung zu mehr Achtsamkeit im Leben? Vielleicht.

Was heißt das eigentlich? Achtsamkeit? Ein Wort, das in aller Munde ist. Wenn man die Menschen nach der Bedeutung fragt, ist eine häufige Antwort: “Naja, eben auf sich selbst aufpassen, weniger Stress haben, gesünder leben und so.“

Stimmt. Irgendwie.

Ursprünglich liegt die Achtsamkeit allen buddhistischen Schulen zu Grunde als eine das menschliche Dasein mit seinem Körper, seinen Gefühlen und seinem Geist betrachtende und akzeptierende, meditative Grundhaltung.

Haltung? In diesem Sinne ist damit unsere Einstellung zu uns selbst und zum Leben an sich gemeint.

Achtsamkeit bedeutet damit eben auch, sich seinen Erfahrungen zuzuwenden, diese zuzulassen und zu akzeptieren. Dadurch kann es leichter werden, angenehme Emotionen zu erleben und unangenehme Emotionen als weniger belastend zu empfinden. Achtsamkeit kann also zur Verbesserung der Emotionsregulation betragen. Jeder kennt sicher den Zustand, von negativen Emotionen förmlich überrannt zu werden und sich nicht mehr an den kleinen Dingen des Alltages erfreuen zu können.

Wie kann diese Erkenntnis nun helfen und vor allem wobei? Gerade wenn der allgemeine Weihnachtstrubel gegen Ende des Jahres weniger wird und insbesondere in diesem doch sehr speziellen und schrägen Jahr, ist zumindest meine Sehnsucht nach Reflexion sehr groß. Was hatte ich mir für dieses Jahr vorgenommen, was habe ich erreicht, was ist weniger gut gelaufen? Was kann ich besser oder anders machen? Gibt es Erfolge? Niederlagen? Bin ich zufrieden? Habe ich Ängste? Von allem eine Menge. Es ist viel passiert und auch gar nichts. Kommt auf die Sichtweise an. Wie kritisch soll ich mit mir sein? Gibt es ein Bewertungssystem? Was ist, wenn ich am Ende meiner Reflexion dieses Jahr am liebsten streichen würde?

Kann mir Achtsamkeit dabei helfen? Sicher!

Bei meiner Jahresreflexion lege ich meine uneingeschränkte Aufmerksamkeit auf den einzelnen Moment und akzeptiere ihn. Einfach? Vielleicht. Ich werde mir meiner Emotionen bewusst. Bei angenehmen Emotionen fühle ich mich sofort gut, ich möchte in der Situation bleiben und sie genießen. Das fühlt sich richtig gut an und wirkt beflügelnd. Den negativen Emotionen resultierend aus unangenehmen Situationen wie Stress oder sogar Niederlagen stelle ich mich ebenso und versuche, sie als das zu nehmen, was sie sind – einfach passiert. Und – das Leben geht weiter. Wenn ich mich meinen negativen Emotionen stelle und sie akzeptiere, dann verlieren sie ihren Schrecken. Und vielleicht haben diese negativen Emotionen ja auch etwas Gutes. Vielleicht war meine innere Anspannung in einigen Situationen dieses Jahr wichtig, um besonders aufmerksam zu sein. Und vielleicht hat mir gerade diese Anspannung geholfen, mit einigen schwierigen Situationen klar zu kommen. Vielleicht war meine innere Anspannung gar nicht so belastend, wie ich gedacht habe. Ich nehme meine negativen Emotionen uneingeschränkt wahr. Durchlebe sie nochmals. Unterdrücke sie nicht und bewerte sie auch nicht. Dadurch eröffnet sich mir die Möglichkeit , die innere Anspannung neu zu erleben und die damit verbundene Negativität neu zu interpretieren.

Diese Erkenntnis kann dann zu einer Verminderung meiner negativen Stimmung führen. Sie wirkt also stimmungsaufhellend. Sie macht mich zufriedener. Mit einer positiven Stimmung bin ich nicht mehr so kritisch mir selbst gegenüber. Und besser gewappnet, um mit dem täglichen Stress und Trubel leichter und ausgeglichener umzugehen. Ich werde also mein Jahr mit Achtsamkeit reflektieren. Mich an den vielen schönen und positiven Erfahrungen und Emotionen erfreuen. Und auch den weniger schönen,  negativen und vielleicht auch schmerzhaften Erfahrungen und Emotionen meine bewusste und zielgerichtete Aufmerksamkeit schenken. Sie dadurch akzeptieren und vielleicht sogar neu bewerten. Mein persönlicher Jahresrückblick wird dadurch sicher positiv ausfallen, angereichert mit einer langen Liste neuer Ideen für das kommenden Jahr.

Achtsam sein mit sich selbst heißt für mich also auch, sich selbst, die eigenen Gedanken und Gefühle sowie das eigene Handeln zu akzeptieren und nicht zu bewerten oder in Frage zu stellen.

In diesem Sinne wünsche ich eine achtsame Adventszeit!

Caroline Bitter-Suermann

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